Bild oben: Ehepaar May, 1904. Quelle
Der Referent des diesjährigen Stiftertages, Dr. Carsten Babian vom Institut für Rechtsmedizin, baute vor dem Publikum eine spannungsvolle Kulisse auf. Sein Vortrag drehte sich um ein Doppelgrab, in dem sich zwei befreundete Ehepaar gemeinsam hatten bestatten lassen wollen. Doch das Leben und die Liebe zerbrach diese schöne Idee einer für ewig geplanten Verbundenheit.
Nach dem Tode des eines Freundes beendet der andere Herr seine Ehe und heiratete kurz darauf die Witwe. In der NS-Zeit lies die überlebende Witwe den Sarg des Ehemannes 1 aus dem Grabdenkmal entfernen, wegen seiner vermuteten jüdischen Vorfahren. Wenig später, noch während des Zweiten Weltkrieges entstand aus der Vermögensmasse des Ehepaares eine gut betuchte Stiftung, die jedoch erst nach dem Ende der DDR wieder selbständig agieren konnte.
Im Jahre 2016 wollte die Stiftung das Rätsel um die Grabstätte lösen: woran starb der geschiedene Freund und wer lag am Ende wirklich in der Grabkammer? Dazu wurde die Leipziger Rechtsmedizin eingeschalten und mit der Überprüfung der Grabkammer sowie der Exhumierung der Leichen beauftragt. Da es keine weiteren Nachfahren aus der Ehe gab, schied eine DNA-Analyse aus. Dafür konnte jedoch mit einer Schädel- und Gesichtsrekonstruktion das Geheimnis endgültig gelüftet werden. Tatsächlich finden sich der Grabkammer in Radebeul die Gebeine von Karl May und seiner zweiten Ehefrau Klara. Sicher ist auch, das Karl May nicht ermordet wurde, sondern vielmehr durch seine ungesunde Lebensweise als starker Raucher einen frühen Tod fand.
